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    News und Spenden für Ukraine 21. Oktober 2022


    Unsere Missionsstation hilft: kleiner Film


    Spenden können aufs Moldawienkonto gemacht werden mit Vermerk: Ukrainekrieg

    Link dazu

    Liebe Freunde 21.10.2022

    Und schon wieder ist viel Zeit vergangen, dass ihr News aus Moldawien erhalten habt. Letzte Woche war eine Truppe aus der Schweiz wieder in Moldawien und somit kann ich wieder etwas berichten über die Situation vor Ort. Unter der Bevölkerung Moldawiens wird sehr wenig über den Krieg gesprochen. Dies sicher, weil es Anhänger der Russen, Anhänger der Ukrainer und Neutrale in etwa gleicher Anzahl gibt. Was jedoch nach wie vor gemacht wird ist, die Flüchtlinge werden betreut, finden einen Platz zum Schlafen, wenn sie in Moldawien bleiben wollen oder werden verpflegt, wenn sie weiterreisen.
    Die Versorgung der Flüchtlinge in den Zentren in Cahul wurde neu geregelt. Eine internationale Organisation hat nun die gesamte Organisation übernommen. Vasile uns sein Team können nicht mehr für die Flüchtlinge im Sportzentrum kochen. Sie helfen jedoch immer noch mit Hilfsgütern, Kleider für den Winter, Lebensmittel für die Flüchtlinge, die in Familien wohnen und mit anderen Artikeln für den täglichen Gebrauch.
    Das Tourist Informationszentrum ist dieser Ort, an dem alle Kleider und Lebensmittel holen können. Wir haben auch wieder warme Winterkleider dorthin gebracht. Der nette Herr, der an dem Tag Dienst hatte an dem wir, Martin und ich, dort vorbei gingen hat mir gesagt, dass nur noch wenige Flüchtlinge pro Tag ankommen. Genau an dem Tag als wir mit ihm sprachen, ist eine Mutter mit einem Kind angekommen, welche vorher in der Ukraine einen ganzen Monat in einem Keller verbracht hat. Die Erlebnisse, welche die Menschen mitbringen, sind alles andere als einfach zu verarbeiten. Es sind aktuell etwa 235 Flüchtlinge in den Zentren und in der ganzen Region Cahul gut 1000 Menschen bei Familien zuhause untergebracht.
    Im letzten Brief erzählte ich von Irena. (Der Name ist geändert.) Sie arbeitet im Zentrum, hilft wo sie kann, um Geld zu verdienen, welche sie dann jede Woche nach Cherson schickt zu ihrem Ehemann und ihrem Sohn. Sie ist sehr dankbar für diese Arbeitsstelle und wir schauen nun, dass wir noch andere Ukrainerinnen anstellen können, damit sie eine Beschäftigung haben, folglich nicht immer in Gedanken verloren in ihren Unterkünften sitzen und so auch ihre Familien vor Ort unterstützen können.
    Der persönliche Kontakt zu den Flüchtlingen ist sicher etwas, was den Frauen wieder einen Lichtblick vermitteln kann. Wenn Sie arbeiten können, dann sind sie nicht nur Nutzniesserinnen, sondern können auch ihren Teil zur Unterstützung ihrer Familien beitragen, was ihnen Wert gibt.
    Herzlichen Dank an alle, die Vasile und sein Team unterstützen. Da sich nun die Türe mit dem Essen geschlossen hat, werden sie neue Türen suchen, um weiterhin in Kontakt bleiben zu können.
    In der grossen Hoffnung, dass der Krieg bald ein Ende findet, grüsse ich euch alle ganz herzlich
    Ursula Schweizer

    Liebe Freunde 28.07.2022
    Nun habt ihr sehr lange nichts mehr von uns gehört. Dies liegt daran, dass es eigentlich keine Worte mehr zu sagen gibt über den Grausamkeiten dieses Krieges.
    Die Situation mit den Flüchtlingen in Cahul bleibt stabil. Einige sind nach Hause gekehrt, andere dazu gekommen, doch im Grossen und Ganzen sind die Hilfen dieselben geblieben. Dank eurer Spenden kann Vasile für die zirka 40 Flüchtlinge, die ihm anvertraut sind, kochen und durch die Hilfsgüter können sie auch den anderen Flüchtlingen in der Stadt Kleider, Schuhe und Toilettenartikel geben. Herzlichen Dank!
    Heute erzähle ich euch die Geschichte von Irena. Der Name ist geändert, ich erkläre später warum. Irena ist aus Cherson. Am 24. Februar wurden sehr viele Bomben über diesem Gebiet von den Russen abgeworfen. Irina erlitt einen Nervenzusammenbruch und im Spital hat man ihr gesagt, dass sie dringend aus der Ukraine weggehen soll. Da sie ursprünglich eine Moldawierin ist, kam sie nach Cahul. Sie ist 59 Jahre alt, lies ihren Mann und ihren Sohn mit dem dreijährigen Kind in Cherson zurück. Ihr Sohn ist schon länger von seiner Frau getrennt, welche vor dem Krieg schon den Mann und den kleinen Jungen verlassen hat.
    In Cahul suchte sie so schnell als möglich Arbeit und hilft seitdem bei Vasile mit. In der Küche, auf dem Lavendelfeld oder wo gerade Arbeit anfällt. Sie schickt jede Woche Geld nach Cherson, um ihre drei Männer zu versorgen. Die Situation in Cherson präsentiert sich wie folgt: Die Stadt ist komplett unter russischer Herrschaft. Die Menschen konnten sich entscheiden, zu unterschreiben, dass sie Russland die Treue halten, wenn nicht wurden sie deportiert oder auf der Stelle umgebracht. Der Ehemann von Irina hat sich für seinen Sohn und den Enkel entschieden, in Cherson zu bleiben. Er schickte Irina immer wieder kleine Filmchen oder Fotos von den Taten der Russen in der Stadt. Nun darf er dies nicht mehr tun. Die Russen kontrollieren sämtliche Telefone, Computer, Brief oder andere Kanäle, ob jemand Information nach aussen trägt. Wird jemand aufgedeckt, wird er sofort ins Gefängnis gesteckt. Darum ist hier auch der Name der Frau geändert. Sie will nichts riskieren. Ihr Ehemann wie auch der Sohn haben keine Arbeit mehr. Ziemlich alles ist zerstört. Sie leben vom kleinen Garten und den Vorräten, die sie noch hatten. Es gibt in der ganzen Stadt einen kleinen Markt wo noch eingekauft werden kann. Alles andere funktioniert nicht mehr.
    Dies einer der vielen Geschichten, die sich nun überall abspielen.
    Liebe Grüsse Ursula Schweizer

     

     

    Liebe Freunde 7.06.2022
    Gestern haben wir mit Vasile gesprochen. Die Situation in Cahul ist nach wie vor gleich. Es kommen wenig neue Flüchtlinge. Ein Teil derer, die vor Ort sind, werden nach wie vor von Vasile und seiner Crew verköstigt.
    Es sind sich alle bewusst, dass, falls es Putin gelingt, bis nach Odessa vorzudringen, es für ihn bedeuten wird, dass er auch Moldawien einnehmen wird. Eine Frau am Radio in einem Interview hat gesagt, sie hat bereits ihre Koffer gepackt, alle wichtigen Dokumente bereitgelegt, damit sie fliehen kann, sobald die Russen eintreffen. Wir haben «unseren» Leuten auch gesagt, dass sie sich vorbereiten. Vor allem die, welche gar keinen Pass besitzen müssen nun einen herstellen lassen, denn sonst sind sie gezwungenermassen in Moldawien gefangen.
    Von Menschen, welche vor Ort im Nordosten der Ukraine waren, hören die Leute in Moldawien immer dasselbe. Ein Bild scheint den Krieg zu beschreiben. Dort wo die Russen waren, ist kein Stein mehr auf dem andern. DIE TOTALE ZERSTÖRUNG! Es scheint zur Strategie von Putin zu gehören, alles dem Erdboden gleich zu machen, damit die Ukrainer nicht mehr zurückkehren können. Dann wird er das gewonnene Land mit Russen bevölkern können.
    Die Angst, dass Putin in Moldawien die gleiche Strategie fahren wird, obwohl ihm keine Armee Widerstand leisten wird, ist berechtigt.
    Über eine Million Ukrainer wurden bereits deportiert. Alle müssen unterschreiben, dass sie die Russen unterstützen werden. Wer nicht unterschriebt kommt ins Gefängnis oder wird sofort erschossen. Was würdest du machen? Keine einfache Frage! Es kommt mir in den Sinn, dass ich in Weissrussland in einem Dorf war, in dem auch nur noch die Grundmauern zu sehen sind. Im 2. Weltkrieg haben die Truppen von Hitler dort gewütet. Hitler hat auch Menschen gefangen genommen, um später die eroberten Dörfer zu bevölkern. Als er genügend Menschen gefangen hatte, änderte er die Strategie. Alle Bewohner dieses kleinen Dorfes wurden in einen Schuppen gedrängt und der Schuppen wurde angezündet. Alle Häuser bis auf die Grundmauern zerstört. Zum Wiederaufbau kam es nicht, da Hitler dann den Krieg verlor. Fassungslos stand ich in diesem Dorf, welches heute ein Mahnmal darstellt.
    Hoffen und beten wir weiter, dass der Irrsinn ein Ende findet.

    Liebe Freunde10.05.2022
    Heute, wenn ich diese Zeilen schreibe, schreiben wir den 9. Mai. Dieser ominöse Tag, der in der ganzen UdSSR jedes Jahr als Siegestag der Russen gegen die Nazis gefeiert wurde und noch wird. Vasile hat uns gestern Einblick gegeben, als einer, der unter dem Kommunismus aufgewachsen ist, zwar in Rumänien, aber eng angelehnt an die UdSSR. Was ich jetzt versuche wieder zu geben ist nicht als Urteil gedacht, sondern zum besseren Verständnis dessen, was im Moment gerade auf unserer Welt geschieht. Seit Ende des 2. Weltkrieges wurde der 9. Mai jedes Jahr mit grosser Machtdemonstration gefeiert, so sicher auch heute. Und zwar wird der Sieg der Russen gegen die Nazis gefeiert mit der übertriebenen Aussage, dass einzig und alleine die Russen die Deutschen Nazis besiegt haben. Als einzige Weltmacht hat ihr Eingreifen dem Krieg ein Ende gesetzt. Der Ausdruck „Nazi“ wurde von vielen Menschen in der UdSSR zum „Feindbild Nummer 1“. Nicht jeder weiss, was ein Nazi wirklich ist, aber alle wissen, diesen Feind, den müssen wir besiegen. Ein Land, welches so lange Zeit hinter dem Eisernen Vorhang lebte und sich nicht Up-Daten konnte, war einfacher zu „programmieren“. Ich selber hab mit einem Klavierlehrer gesprochen, der mit Bach vorspielte und mitten im Spiel sich zu mir wendete und fragte, ob wir im Westen eigentlich auch berühmte Komponisten oder Klavierbauern hätten. Der heutige Tag wird wahrscheinlich wieder eine Machtdemonstration gegen die Nazis sein und jegliches Morden und Zerstören rechtfertigen. Diese Machtgedanken gingen soweit, dass sich Paare nach der Zivilen Hochzeit vor einem Kriegsdenkmal das „Ja-Wort“ gaben, wie wir im Westen in der Kirche. Für uns im Westen sind solche Gedankengänge nicht nachvollziehbar.
    Im Südosten von Moldawien, also dort, wo wir stationiert sind, beginne sich Menschen zu formieren, um die westlich gesinnte Regierung zu stürzen und eine pro-russische Regierung zu installieren. Einerseits, weil sie pro-russisch eingestellt sind, andererseits, weil sie sich dadurch erhoffen, dass Putin keine Angriffe auf ihre Region machen wird, keine Bomben auf Spitäler und Kindergarten abwirft und sie einfach „übertreten“ können, ohne Blutvergiessen oder Verluste. Für alle Regierungsmitglieder, welche Westlich eingestellt sind, heisst das, dass sie um ihr Leben bangen müssen. Beten wir um Schutz!
    Und nun noch zu den Menschen im Donbass. Dort wo Putin angreift, gibt es genau drei Möglichkeiten. Die Menschen bleiben vor Ort. A) Dann entsteht die Situation von Mariupol, die Menschen werden ausgehungert und vielleicht im letzten Moment noch gerettet durch einen Hilfseisatz von roten Kreuz. B) Die Menschen werden vor Ort ermordet, auf offener Strasse. C) Die Menschen werden nach Russland gefahren. Die russische Seite sagt, dass diese Menschen dies wollen, die Vernunft sagt, dass niemand Haus, Freunde, Garten, Arbeit und alles liegen lassen will und in Russland in ein Lager gebracht wird. Oder wie würdest du entscheiden? As meiner, ich gebe zu, eingeschränkten Sichtwiese, kann ich mir nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die mit Freude nach Russland oder Sibirien in ein Lager gehen. Ich bin sicher, auch diese Menschen möchten einfach Ruhe und Frieden haben. Soweit einige Gedanken zu dem Verständnis der Bevölkerung im Osten.
    In diesem Zusammenhang kommt uns ein Interview in den Simm mit Olga (Name geändert) Hier ein Ausschnitt aus dem Interview:
    Olga: Mit 17 habe ich einen zwei Jahre älteren Mann geheiratet. Er kam auch aus dem Dorfe. Sieben Monate später ist er von sowjetischen Agenten gezwungen worden nach Sibirien zu gehen. Sein Vater hat wahrscheinlich erahnt, dass die Russen kommen, und hat sich versteckt. Eigentlich wollten die Russen den Vater mitnehmen, aber weil er sich versteckte, haben sie den Sohn mitgenommen. Um drei Uhr nachts kamen zwei stämmige Russen, mein Mann war gerade am Fischen, als sie ihn festnahmen. Eigentlich wollten sie auch mich mitnehmen, mein Vater hatte aber mit folgendem Argument Erfolg: «Jetzt habe ich mich jahrelang fürs
    Vaterland eingesetzt und dabei meine Beine verloren und ihr wollt mir jetzt noch meine Tochter wegnehmen? Wer schaut dann für die Familie?» Ich konnte mich nicht von meinem Mann verabschieden!
    Mit ihm zusammen wurden noch zwei weitere Familien aus dem Dorf nach Sibirien deportiert. Die Familien lebten am gleichen Ort in Sibirien. Dann sah mein Mann, dass jemand eine Kuh stiehlt. Er meldete es und so wurde er von den anderen Familien getrennt und noch weiter nach Sibirien geschafft. 5 Jahre lang blieben wir getrennt, ich schaute zu meinem invaliden Vater, während mein Mann im fernen Sibirien Kohle fördern musste.
    Rösi: Wusstest du, wo der Schwiegervater sich versteckt hatte?
    Olga. Nein. Nach fünf Jahren meldete er sich zurück und er ging mit mir nach Sibirien um seinen Sohn, meinen Mann zu suchen.
    Rösi: Wie konntet ihr deinen Mann ausfindig machen?
    Olga: Nahe an der mongolischen Grenze, etwa 240 km entfern fanden sie ihn. Mein Mann schrieb mir immer wieder Briefe, so wusste ich, wo er war.
    Wir fanden ihn nach einer fünfwöchigen Reise mit Zug Auto und Flussdampfer in Irkutsk.
    Als wir meinen Mann gefunden hatten, blieb ich bei ihm. Der Schwiegervater kehrte zurück.
    Mein Mann arbeitete im Kohlenbergwerk. Ich musste dort aber nicht arbeiten. In Sibirien habe ich zwei Kinder geboren. Für mich war es nicht schlimm, man liess uns in Ruhe. Wir haben uns einfach angepasst. In den Läden hatte es alles, was man brauchte. Es war eine gute Zeit. Es gab lange, lange Winter. Es gab zwar keinen Wind, aber wenn man in den Laden ging und jemanden auf dem Weg getroffen hat, begann alles zu gefrieren und man musste schnell wieder nach Hause, weil es so kalt war. Alles was man gefunden hat zum Anziehen hat man angezogen. Felle, Stiefel, usw. Drei Monate war es warm, sonst war es immer kalt. Aber Kartoffeln sind gewachsen. Ganz grosse, gesunde Kartoffeln gab es dort. Es war so eine gesunde Erde dort und es ist so viel gewachsen. Als wir dann zwei Kinder hatten, liessen die Russen uns nach zwei Jahren «schnell» nach Hause.
    Für uns eine bewegende Lebensgeschichte. Ob die Ukrainer in Russland auch Kohle abbauen? Wer weiss es!
    Im Moment ist die Flüchtlingssituation in Cahul stabil. Viele Ukrainer die in Kiew und Umgebung wohnen, sind zurückgegangen. Einige Menschen aus dem Osten sind angekommen, so bleibt in etwas die Menge der Menschen ausgeglichen. Nach wie vor kocht Vasile mit seinen Leuten für die Flüchtlinge im Sportzentrum. Was als nächstes kommt, keiner weiss es. Die Situation politisch gesehen ist sehr angespannt und das Land scheint sich in zwei Lager zu teilen.
    Der Transport aus der Schweiz, welcher durch Licht im Osten ausgeführt wurde, ist gut in Cahul angekommen. Auch die Flüchtlinge konnten sich Kleider aussuchen. Wir sind froh, dass alles gut
    geklappt hat. Liebe Grüsse Ursi Schweizer

    Liebe Freunde  25.04.2022
    Nun sind wir also zurück aus Moldawien. Die Reise durch die wunderschönen Länder mit dem blühenden Raps und den unzähligen Bäumen in Blüte war einfach herrlich.
    Bis nach Cahul hatten wir nie den Eindruck, dass es in der Ukraine Krieg gibt. Auch in Cahul ist es im Moment sehr ruhig. In der Zeit, in der wir dort waren, kamen nur wenig neue Flüchtlinge aus der Ukraine.
    Menschen bereiteten sich auf Ostern vor, ein Fest, welches in Moldawien sehr ausgeprägt gefeiert wird. Ostern hatten sie jetzt erst dieses Wochenende, da der orthodoxe Kalender nicht jedes Jahr mit unserem Kalender übereinstimmt.
    Wir haben liebe Grüsse und herzlichen Dank an alle mit nach Hause genommen. Sie sind sehr dankbar für all die Hilfe, die sie erhalten haben und die wir immer noch zur Verfügung stellen können.
    In Cahul gibt es eine «Celule de crisa» (ob sich das so schreibt??) ein Punkt, an dem 24/7 Menschen vor Ort sind, die die Flüchtlinge begrüssen und ihnen einen Platz zuweisen. Dieser Ort ist gleichzeitig auch der Ort, wo Kleider, Schuhe, Lebensmittel und Hygieneartikel abgegeben werden. Dieser Ort wird von der Stadt organisiert und Vasile und sein Team helfen dort tatkräftig mit, bringen wieder Lebensmittel und Kleider, wenn der Vorrat aufgebraucht ist. Die ersten Flüchtlinge sind im Winter geflüchtet mit dem Nötigsten im Koffer, in der Hoffnung, bald wieder nach Hause zu gehen. Nun kommt der Frühling, es wird warm und sie brauchen leichtere Kleider. Im Hintergrund laufen die Vorbereitungen, denn es werden, sobald der Südosten angegriffen wird, wieder viele Flüchtlinge erwartet. So wird zum Beispiel in einer grossen Turnhalle ein Massenlager eingerichtet, sobald es so weit kommt. Ich habe Geld mitgenommen, um einen Generator zu kaufen. Sie brauchen diesen, um in der Turnhalle genügend Strom zu haben, sollte die Energieversorgung zusammenbrechen.
    Die Menschen sind echt erstaunlich ruhig. Einige haben mir gesagt, dass sie schon ganz andere «Stürme» überstanden haben und sie einfach mal warten, was auf sie zukommt. Es herrscht jedoch eine Spannung in der Luft, das haben sie mir auch bestätigt.
    Im Zentrum bei Vasile kommen auch immer wieder Ukrainerinnen vorbei, weil sie etwas brauchen. So auch zwei sehr junge Mütter mit je einem Kind. Zwei und zweieinhalb Jahre alt. Ihre Männer in der Ukraine im Krieg. Ob die Kinder je ihre Väter wieder sehen, ob die Frauen ihre Männer wieder in die Arme schliessen können?
    Ein Junge hat ein Häschen gefunden Die zwei Frauen
    So viel Leid entsteht durch Krieg, immer und überall, aber dieser Krieg ist uns nun schon
    sehr nahe gerückt.
    Ein Ziel von Putin ist die Vereinigung von Transnistrien mit dem Ostteil, den er jetzt
    einnehmen will. Das würde heissen, dass Moldawien eingenommen würde. Da Moldawien
    keine schlagkräftige Armee hat (knapp 5000 Männer), die sich wehren könnten, vielleicht
    ohne Blutvergiessen, jedoch weiss keiner, ob Putin nicht, um einzuschüchtern doch mit
    Waffengewalt käme.
    Vasile kocht weiterhin für die einen Flüchtlinge, welche nicht vom Migrationsamt verköstigt
    werden. Eine Ukrainerin hat sich mit einer Frau aus dem Zentrum befreundet und hilft bei der
    Kinderarbeit mit. Sie ist eine Konditorin und hat mit den Kindern schöne Biskuits verziert. So
    kann sie sich ein bisschen ablenken.
    Herzlichen Dank für alle Unterstützung und alle Gebete um ein baldiges Ende dieses
    Elendes.
    Liebe Grüsse Ursi

     

     

    Liebe Freunde 12.04.2022
    Am Mittwoch fahren Noemi Pfister und ich nach Moldawien. Ich bin froh, dass ich nun Ferien habe und vor Ort die Situation mit eigenen Augen betrachten kann.
    Wie ihr alle in den Medien erfahren habt, hat die Geberkonferenz der EU nun einen grossen Betrag an Geld gesprochen, um Moldawien zur Seite zu stehen. Von dem Geld ist auch ein Teil nach Cahul geflossen. Ich bin gespannt, was sie mit dem Geld alles machen können. Infos folgen.
    Unsere Freunde vor Ort waren sehr dankbar für die zwei Transporte, die sie erhalten haben. Da der Krieg anhält, konnten sie auch die Kleider gut gebrauchen, denn die Ukrainer hatten ja nur einen Koffer dabei, den sie in aller Eile gepackt haben. Ja, und in aller Eile packen, das ist nicht so einfach. Wüsstest du, was du mitnimmst, wenn du flüchten müsstest?
    Die Mitteilung, dass sich Putin aus Kiew zurückziehen wird und seinen Krieg in den Südosten verlegt, ist für Cahul keine mutmachende Botschaft. Von Odessa nach Cahul sind es ziemlich genau 300 km Weg. Das ist sehr nahe, für einen Krieg. Stell es dir vor, du wohnst in Zürich und Genf wird bombardiert.
    Nun werdet ihr also das nächste Mal von Cahul und der Situation aus Sicht von Augenzeugen hören.
    Bis dann liebe Grüsse! Ursi

     

    Liebe Freunde 02.04.2022
    Am Donnerstag hatte ich die Möglichkeit, mit Frau Tissot in Chisinau via Zoom zu sprechen. Frau Tissot ist die Leiterin des DEZA Büros in Moldawien. Wir hatten sie im Herbst in Moldawien bei der Eröffnung eines Marktplatzes getroffen. Alexander Aubert, ein Mitglied unseres Vereins, hat den Kontakt zu ihr aufrecht erhalten.
    Ich fasse hier zusammen, was ich aus dem Gespräch notiert habe. Alle Zahlen konnte ich nicht notieren, da sie dermassen schnell Französisch spricht, darum alle Zahlen ohne Gewähr
    Sie sagt: Es gibt eine Welt vor dem Krieg und eine nachher. Die ganze Schweizerbotschaft aus Kiew ist nach Moldawien umgezogen. Auf einen Schlag sind dreimal so viel Mitarbeiter in Moldawien wie vorher. Ganz Moldawien beherbergt sehr viele Flüchtlinge. Ein kleiner Teil nur ist in Zentren untergebracht. Sehr viele Ukrainer sind entweder bei Moldauern zuhause (sehr viele haben ihr Haus geöffnet und Menschen aufgenommen, Rentner mit einer Rente von 100 Euro beherbergen bis vier Menschen in ihrer Wohnung) Die Solidarität ist nicht zu übertreffen. Auch unzählige Freiwillige arbeiten mit beim Verteilen der Hilfsgüter des täglichen Bedarfs. Es sind auch viele kranke Menschen gekommen. Einige brauchen Chemotherapie, andere müssen an die Dialyse, was für das moldawische Gesundheitssystem sehr schwierig ist. Hier hilft die Schweiz auch mit Gerätschaften und Fachpersonal. Ein Teil des Geldes, das an die Glückskette gespendet wurde, wird durch Helvetas und das rote Kreuz im Moldawien eingesetzt, um die Familien zu unterstützen, welche jemanden aufgenommen haben.
    Ungefähr 30% der Bevölkerung von Moldawien gehört zu den russischtreuen Menschen. Die Diskussion über die politische Situation ist kein einfaches Thema, aber alle sind sich einig: Krieg haben wir jetzt wirklich nicht gebraucht.
    Ein Grossteil der Geflüchteten, die in Moldawien bleiben haben gar keinen Pass. Sie kommen noch mit den sowjetischen Papieren, da sie noch nie ausserhalb der Ukraine waren. Sie haben keine Möglichkeit, in ein anderes Land zu fliehen. Faktisch sind sie «sans papiers»
    Die Schweizer Botschaft vermittelt Flüchtlinge in die Schweiz, aber auch nach Frankreich und umliegende Länder. Viele Haustiere wurden auch mit auf die Flucht genommen. Es gibt nun auch eine Abteilung, die sich um diese Tiere kümmert, denn die können oft nicht mit in den Westen genommen werden, da die Bestimmungen, um Tiere einzuführen sehr streng sind. Moldawien hat schon genügend streunende Hunde, es müssen nicht noch mehr ausgesetzt werden.
    Es war sehr interessant, mit Frau Tissot zu sprechen. Viele Details, zum Beispiel dies mit den Haustieren oder den kranken Menschen habe ich mir bis heute gar nicht vorgestellt. Ich wollte euch diese Infos nicht vorenthalten.
    Bis zum nächsten Mal! Ich hoffe, dass die Kriegsinfos nicht mehr lange nötig sind!
    Liebe Grüsse Ursi

     

    Liebe Freunde 26.03.2022
    Letzten Mittwoch verliess noch ein Transport aus dem Kanton Bern die Schweiz Richtung Moldawien. Wir sind froh und dankbar, dass auch dieser Transport ohne Schwierigkeiten die Grenze passieren konnte und alle Waren wohlbehalten angekommen sind. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön im Namen aller Flüchtlinge, die durch die Waren und die Tatsache, dass es Menschen gibt, die ihnen beistehen, Trost finden können.
    Vom Brockenhaus Hiob haben wir diverse Dinge erhalten, von der Firma Fust Waschmaschinen, vom EGW Burgdorf schöne Klappstühle, die natürlich sehr nützlich sind. Ein herzliches Dankeschön auch den vielen Menschen, die ebenfalls Material oder Geld zur Verfügung stellten, so dass der Transporter gefüllt und die Kilometer bezahlt werden konnten. Ich konnte auch wieder Geld schicken, um im nächsten Monat den Flüchtlingen eine Mahlzeit zu kochen. Die Solidarität mit den Geflüchteten Menschen berührt uns und macht uns dankbar.
    Dieser Krieg dauert nun schon länger als ein Monat und ein baldiges Ende wird erhofft, aber ob es in Sicht ist, das weiss niemand so sicher. Nun gilt es, einen langen Atem zu haben. Durchhalten ist gefragt. Auch unsere Freunde in Moldawien bauchen Kraft, jeden Tag so viele Essen zu kochen, zu verteilen
    und den Flüchtlingen in ihrer schwierigen Situation ein Lachen zu schenken.
    Es gibt NIE eine Rechtfertigung für Krieg, egal ob es Gründe gibt oder nicht. Und es gibt immer viele unschuldige Opfer, auf beiden Seiten. Die brauchen unsere Hilfe und unsere Anteilnahme. Lasst uns weiter beten, dass der Irrsinn aufhört!
    Bleiben wir dran! Liebe Grüsse Ursi

    Liebe Freunde 20.03.2022
    Ich schicke euch liebe Grüsse aus Moldawien. Am Freitag sind zwei Lastwagen, die in Salez gestartet sind, gut über die Grenze gefahren. Sie waren zwei Stunden am Zoll und konnten dann alles abladen. Wir sind sehr dankbar, dass alles gut lief. «Unsere» zwei Chauffeure bleiben noch bis Montag in Cahul und fahren dann zurück. Sie hatten so die Möglichkeit, beim Verteilen des Essens dabei zu sein und auch den Markt noch zu besuchen. Am Markt hat es noch Lebensmittel, aber die Lieferungen aus der Ukraine bleiben aus.
    Die Sammlung im Kanton Bern hat dieses Wochenende stattgefunden und dieser Transport wird am Dienstag oder Mittwoch die Reise nach Cahul antreten.
    In Cahul sind sie fleissig am Verteilen der Hilfsgüter. Sie fahren auch in die umliegenden Dörfer, denn in all den kleinen Dörfern wurden ebenfalls viele Flüchtlinge aufgenommen. Die Menschen dort brachen auch Lebensmittel, Decken und Hygieneartikel, um die Gäste zu versorgen.
    Im Moment kommen etwas weniger Flüchtlinge über die Grenzen. Es reisen aber immer noch sehr viele weiter in den Westen, weg von der Gefahr und der Angst, die sie ausstehen mussten.
    Die Schule hat nun für die Kinder begonnen. Einige gehen in die lokalen Schulen, jedoch werden auch viele via Handy oder Tablet direkt aus der Ukraine beschult. Die Lehrpersonen nehmen ihren Bildungsauftrag wahr, digital, auch über die Landesgrenzen.
    Liebe Grüsse bis bald wieder Ursula Schweizer

    Liebe Freunde 15.03.2022
    Hier eine Einschätzung der politischen Situation von Vasile und Ica aus Cahul:
    Die Menschen in Moldawien haben eine reale Angst, nämlich die, dass Putin auch Moldawien einnehmen wird. Da Moldawien keine Armee besitzt, wird es für Putin ein einfaches Spiel sein. Diese Angst ist nicht erfunden, die Situation kann sich in diese Richtung entwickeln. Das Ziel, welches Putin selber genannt hat, ist, dass er den Fehler, die UdSSR aufzulösen, rückgängig machen will. Fast in jedem Land, welches zur UdSSR gehörte, gibt es Enklaven in denen russischtreue Menschen wohnen. So auch in dem umkämpften Teil der Ukraine, in dem schon lange Gefechte laufen. So ist es auch in Georgien und eben auch in Moldawien. Transnistrien, der nördliche Teil von Moldawien zählt sich nicht zum Land, hat eigene Gesetzte und Regeln. Putin betont, dass nicht er den Krieg angestiftet hat, sondern dass er seinen Landsleuten zu Hilfe kommt, um sie von den Kräften des Westens zu befreien. In Cahul hört man beide Radiosender, den ukrainischen und den russischen. Die Meldungen könnten nicht gegensätzlicher sein. Und wie immer muss der Hörer sich entscheiden, wem er glaubt. So hat Ica auf der Strasse gehört, dass sich Menschen streiten, wer denn nun Recht hat.
    Wir haben Vasile gefragt, was das für Sie bedeuten würde, wenn das Land annektiert würde. Für die Präsidentin und die westlich orientierten Politiker würde es heissen, dass sie sofort flüchten müssten. Für sie als Vasile und Ica wäre es denkbar, bleiben zu können, da sie sich nie in die Politik eingemischt haben und nur, falls sie aufgefordert würden, das Land zu verlassen, darüber nachdenken würden.
    Dis Situation im Land wird zusehends schwieriger. Alles wird teurer, aber nicht nur dieser Zustand ist schwierig, da die Versorgung mit Lebensmitteln vorwiegend aus der Ukraine kommt, werden auch die Lebensmittel immer rarer. Viele Firmen mussten schon schliessen. Der grösste Arbeitgeber in Cahul mit mehr als 500 Angestellten, hat schon die zweite Woche in Folge keine Arbeit mehr, weil das Material, welches verarbeitet wird, aus der Ukraine kommen sollte. So stehen wieder viele Menschen auf der Strasse und haben keinen Verdienst. Das Elend nimmt kein Ende. So sind auch immer mehr Moldawier auf Hilfe angewiesen.
    Und noch etwas Gutes!
    Die Flüchtlingskinder werden ab diesem Montag in die Schulen integriert. So können sie sich wenigstens ein bisschen ablenken. Dies freut uns alle natürlich. Es sieht im Moment leider nicht so aus, als ob der Wahnsinn bald vorüber ist. Wir beten weiter!
    Liebe Grüsse bis bald wieder Ursula Schweizer

    Unsere Lieben  03.03.2022
    Ich schreibe euch kurz über die Situation der ukrainischen Flüchtlinge.
    Heute, 2. März haben wir für 30 Familien ein komplettes Essen gekocht und wir haben für 100 Personen Sandwiches zubereitet für die Familien, welche an der Ukrainisch/Moldawischen Grenze auf einen Übertritt warten. Sie stehen an der Grenze Bolgrad-Vulcanesti, 40 Km von Cahul entfernt.
    Morgen kochen wir für die Flüchtlinge im Sanatorium «Nufarul alb», dort sind 100 Personen untergebracht.
    Wir werden auch an einer Sitzung teilnehmen mit der Stadtverwaltung, um die Verteilung der Kleider und der Schlafplätze organisieren zu können.
    Die Situation spitzt sich zu und wird von Tag zu Tag schlechter. Heute hat die russische Armee zum ersten Mal eine Rakete in einer Region gezündet, die 100Km von Cahul entfernt liegt. In der Nähe der Stadt Izmael
    Die Stadtverwaltung hat eine Anfrage erhalten, ob Cahul aus dieser Region Kinder aufnehmen könnte. Möglicherweise kommen morgen schon diese Flüchtlingskinder bei uns an.
    Wir beten weiter in der Hoffnung, dass dieser Krieg so schnell als möglich endet.
    Herzlichen Dank für eure Gebete und die Unterstützung.
    Soweit für heute.
    Der Herr segne euch
    In Liebe Vasile und Team

    Liebe Freunde 27.02.2022
    Gestern haben wir euch geschrieben, dass viele Flüchtlinge von der Ukraine bereits in Moldawien angekommen sind aber noch nicht in Cahul. Aber heute schon sind bereits 100 Flüchtlinge in Cahul angekommen und im Sanatorium untergebracht worden.
    Nicolae Dandis, der Stadtpräsident hat mich angerufen und gefragt, ob wir helfen könnten, in dem wir das Mittagessen für die Flüchtlinge kochen. Dies starten wir ab dem 28. Februar.
    Ich sagte ihm, dass wir mit allem was uns zur Verfügung steht, ihm in der Geschichte mit den Flüchtlingen helfen.
    Unsere Mitglieder der Kirche helfen alle mit, so gut jeder kann. Wenn ihr die Möglchkeit habt, uns auch zu unterstützen, damit wir noch mehr machen können, sind wir sehr glücklich.
    Es kommen vorallem Mütter mit Kinder, oder junge Frauen. Morgen und die andern Tage werde ich ins Sanatorium gehen um zu sehen, wie sich die Situation dort präsentiert. Wir bringen auch Bettzeug, Decken, Kissen und was es sonst noch braucht.
    Bitte betet für Friede in der Ukraine!
    Dank für die Hilfe und die Gebete.

    In der Liebe Jesu grüsse ich euch, Vasile, Ica und das ganze Team.


    Liebe Freunde
    Vasile wird uns nun laufend berichten, was in Cahul geschieht. Ich habe mit ihm telefoniert. Die Flüchtlinge sind auf der Weiterreise, da Moldawien kein sicheres Land ist und keiner weiss, ob Putin mit seinen Truppen auch in Moldawien einmarschiert. Somit ändert sich die Zahl der Flüchtlinge immer wieder. Für 100 Flüchtlinge einen Tag zu ernähren, brauchen sie 250 Euro. Wenn du da auch mithelfen kannst, freuen wir uns.

    Für die Moldovabridge Ursula Schweizer

    Spenden können aufs Moldawienkonto gemacht werden mit Vermerk:  Ukrainekrieg

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